Geschichtliche Hintergründe zu Gutscheinwährungen
Zweitwährungen förderten die Wirtschaft
Autor: Reinhard-Dietmar Sponder
Die Idee einer regionalen und ergänzenden Zweitwährung neben einer nationalen oder wie beim Euro sogar schon internationalen Gemeinschaftswährung ist alles andere als neu. Komplementäre, also die offizielle Währung ergänzende Zahlungsmittel haben in Europa für rund 1000 Jahre keineswegs nur ein Hinterhofdasein gefristet. Von 800 n. Chr. bis etwa 1800 waren sie auf unserem Kontinent weit verbreitet und – das mag jetzt viele erstaunen – auch noch recht erfolgreich. Die lokale Wirtschaft blühte in den meisten Fällen.
Der deutsch-argentinische Kaufmann Silvio Gesell entwickelte die Idee des so genannten Freigelds. Nach diesem Muster entstanden im 20. Jahrhundert tatsächlich regionale Tauschwährungen in Deutschland, Österreich und anderswo. Das bekannteste Beispiel dürften die Arbeitswertscheine des sozialdemokratischen Bürgermeisters von Wörgl in Tirol Michael Unterguggenberg, 1932 gewesen sein. Nach dem Schwarzen Freitag 1929 in den USA war es zu großen Wirtschafts-Depression weltweit gekommen, bei der bekanntlich die Arbeitslosenzahlen ins unermessliche stiegen. Die politischen Folgen gerade in Deutschland kennen wir.
Doch Unterguggenberger schaffte das regionale Wunder: Mit seinen Arbeitswertscheinen schuf er in Wörgl für etwas mehr als ein Jahr inmitten eines Meeres von wirtschaftlichem Niedergang und Armut Wohlstand und Wirtschaftsblüte. Da wurden Straßen und Brücken mit diesen Arbeitswertscheinen gebaut. Die Menschen hatten Arbeit und Brot. Aus allen Teilen der Welt kamen damals Politiker und Fachleute, um das Modell zu studieren. Doch dann verbot die österreichische Regierung auf Betreiben der Nationalbank die Arbeitswertscheine von Wörgel und die Stadt fiel zurück in die wirtschaftliche Trostlosigkeit und Armut wie alle anderen auch. Für mehr über das Geldexperiment Wörgl sehen Sie unter Resourcen.
Arbeitswertscheine der Stadt Wörgl in Tirol
Damit erweist sich die Ansicht moderner Währungsexperten, die lokalen Währungen seien deshalb abgeschafft worden, um die Wirtschaft zu modernisieren und die Effizienz des Systems zu steigern, als Irrtum. Lediglich der Fernhandel oder das was wir heute als Globalisierung kennen, lässt sich mit globalen Währungen wie Dollar, Euro, Pfund oder Yen fördern. Doch die Zeche bezahlen die weniger boomenden Regionen. Die Geschichte beweist das. Auch einige der wichtigsten Währungsstrategen des 20. Jahrhunderts wie Maynard Keynes, Irving Fisher oder Friedrich August Hayek hatten ursprünglich keineswegs den Dollar-Standard von Bretton Woods im Sinn, sondern wollten mehrere Währungen nebeneinander. Aber sie konnten sich letztlich nicht gegen die Zentralisten und Globalisten durchsetzen.
Im 21. Jahrhundert feierten die alten Ideen von begleitenden Regionalwährungen auf Gutscheinbasis fröhliche Urständ. Angefangen mit dem Bremer Roland und dem Priener Chiemgauer etablierten sich bis heute innerhalb und außerhalb des Verbands Regiogeld e.V. in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr als 30 Regios. Allein in Süd-Bayern entstand mit dem Dachauer Amper-Taler bereits der achte Regio innerhalb des Regiogeld e.V.