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Produktivitätsmessungen

Über sinnvolle und sinnlose Arten,
Produktivität zu messen

Baustelle

Diese Seite hat den Zweck, zunächst zu erläutern, wie Produktivität gemessen wird und werden kann; sowie welche Art von Messung uns bei der Betrachtung der Zukunft der Arbeit dienlich ist. Anschließend werden dann bestimmte Messwerte aufgeführt, welche die Behauptungen auf anderen Seiten dieses Bereichs der Website stützen.

Wem diese Seite zu sehr in die Tiefe geht, kann gleich zu Was IST Arbeit springen.


Wie auf der Seite über Produktivität erläutert, gibt es dazu mehrere Kontexte und Unterkategorien. Für die Betrachtung über die zukünftige Entwicklung von unseren Tätigkeiten zur Wertschöpfung und unserem Denken über "Arbeit" werde ich mich auf die Produktivität bei der Herstellung und Verteilung des Materiellen, das wir zum Leben brauchen, beschränken. Denn andere Aspekte betreffen die Verteilung der Güter und das ganze soziale Miteinander der Gesellschaft – und wie viel menschliche Kapazität diese Faktoren benötigen bzw. erhalten können hängt in sehr hohem Maße von unseren gewählten Gesellschaftsmodellen ab. Positiv ausgedrückt, die hohe Produktivität in der Produktion beschert uns die Möglichkeit über Modelle zur Verteilung des Wohlstands nachzudenken – über Formen mit möglichst viel Würde für den Einzelnen sowie möglichst wenig Verschleiß im System.

Zeitliche Entwicklung der Produktivität in der Produktion

Was versteht denn die Volkswirtschaftslehre unter Produktivität?

"In der Drei-Sektoren-Hypothese wird die Volkswirtschaft eingeteilt in den Primärsektor der Rohstoffproduktion, den Sekundärsektor des verarbeitenden Gewerbes und den Tertiärsektor der Dienstleistungen". Gemäß dieser Definition stehen als Dienstleistungen zusammengefasst: Unmittelbar stofflich orientierte Tätigkeiten wie Handel, Handwerk, Service, die Wasser- und Energieversorgung; Wissensbereiche wie Bildungs- und Erziehungswesen, Wissenschaft und Sozialpädagogik; Organisationsbereiche wie öffentlicher Dienst, Verwaltung und Verkehrsdienstleistung; und Dienst am Menschen – wie Gastronomie, Gesundheitswesen, Sozialwesen und Prostitution.

Wo sind aber in diesem Schema Tätigkeiten zu finden, die alleine der kapitalistischen Gesellschaftsform zuzuschreiben sind – wie Werbung und Marketing, Kreditwesen, Börsenspekulation, feindlichen Übernahmen usw.? Diese Tätigkeiten verstecken sich in den Preisen der Erzeugnisse der Rohstoffproduktion und des verarbeitenden Gewerbes, teils aber auch in den Preisen von Dienstleistungen, die im Wettbewerbsbereich stehen. Somit ist es nicht möglich, über die bekannten Statistiken der Volkswirtschaftslehre wie z.B. das BIP, Schlüsse über den Produktivitätsanstieg im verarbeitenden Sinne zu treffen, da immer die Wettbewerbskosten mit enthalten sind.

Ein sehr fundiert wirkender Aufsatz "Falsche Kategorien oder verkehrte Welt? – Eine Kritik des Dienstleistungsbegriffs und der Außenhandelskategorien am Beispiel der Globalisierungs­diskussion" von Dr. Christian Girschner, Mitglied des SEARI Instituts für sozialökonomische Handlungsforschung (ursprunglich ein Universitätsinstitut der Uni Bremen, inzwischen ein gemeinnütziger Verein) scheint meine Laieneinsicht über die fragwürdige Zuordnung von Dienstleistungen ähnlich zu beurteilen. In seiner Zusammenfasung stellt Dr. Girschner fest: "... daß Dienstleistungen aus dem kapitalistischen Akkumulations- und Reproduktionsprozess und damit aus der Analyse des Weltmarktes herausfallen, weil diese eine nicht-kapitalistische Arbeitssphäre in der bürgerlichen Gesellschaft darstellen."

Gemäß Wikipedia versteht die Volkswirtschaftslehre Produktivität wie folgt:

  • Arbeitsproduktivität = Quotienten aus mengenmäßiger Leistung und mengenmäßigem Arbeitseinsatz.
  • Gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität = Quotient aus Bruttoinlandsprodukt (BIP) und der Menge der eingesetzten Arbeitseinheiten.

Um diese Begriffe wirklich zu verstehen, müssen wir zunächst wissen, was unter "mengenmäßiger Leistung" und "BIP" zu verstehen sind…

  • Für "Mengenmäßige Leistung" konnte ich beim Surfen im Internet keine Definition finden. Somit kann ich nur ernüchtert feststellen, dass wir zwar einen Begriff "Arbeitsproduktivität" haben, für den es jedoch keine Vorgaben gibt, wie dieser zu berechnen ist. Somit können etwaige Werte dafür nur mit äußerster Vorsicht betrachtet werden.
  • "Das nominale BIP gibt die Summe der inländischen Wertschöpfung beziehungsweise der Wertschöpfung von Regionen in aktuellen Marktpreisen an." Diese Kenngröße ist wertlos für die Zeitachse, da von Marktpreisen abhängig. Da die Geldmenge in Kreditgeld- und Zinseszinssystemen tendenziell immer steigt, kosten Waren immer mehr Geld – ein Vergleich auf dieser Basis würde suggerieren, dass die Produktivität enorm steigt, wobei die Produktivitätssteigerung von der Inflation (Preissteigerung) verfälscht werden würde.
  • "Das reale BIP ist eine Größe in dem alle Güter und Dienstleistungen zu den Preisen eines Basisjahres bewertet werden (BIP zu konstanten Preisen)". Auch das reale BIP birgt für unser Vorhaben Probleme: Es enthält auch alle Dienstleistungen – auch Dienste am Menschen wie Sozialwesen, Haare schneiden, Massage und die ganze Unterhaltungsindustrie; sowie die Anteile der Wettbewerbstätigkeiten an allen materiellen Erzeugnissen. Vor allem: das BIP enthält auch Vermögenseinkommen. Die Produktivität im Sinne der reinen materiellen Erzeugung und Verteilung der zum Leben benötigten Waren und Dienstleistungen kann also nicht daraus abgeleitet werden.

Zum Glück bietet das Online Statistik-Portal des Statistischen Bundesamtes im Internet den öffentlichen, kostenlosen Zugang zur GENESIS-Datenbank, in der es viel Auswahl an Daten und viele Einstellungsmöglichkeiten gibt. Insbesondere findet man dort die Statistik "Input-Output-Rechnung". Dieser Begriff wird im Web wenig erwähnt, in Wikipedia unter Wertschöpfung wie folgt erwähnt: "die Wertgröße ..., um die der Output den Input übersteigt, also eine durch den Transformationsprozess entstehende, dynamische (Strom-) Größe". Zum Glück machen die Hilfetexte und Auswahlmöglichkeiten von GENESIS klar dass es sich i.W. um Kennzahlen des produzierenden Gewerbes handelt. Mehr dazu weiter unten.

Siehe Tabelle "Entwicklung der Arbeitsproduktivität" in Wikipedia. Da wird zwar lediglich BIP real durch Arbeitsvolumen dividiert – mit allen oben bemerkten Schwächen – dennoch wird dort, anhand von Daten des Statistischen Bundesamtes, eine jährliche Steigerung der "Arbeitsproduktivität" von 1961 bis 2004 von (141.84 / 44) = 3.22% festgestellt.


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